Eine Mitarbeiterehrung, aber bitte nicht wie immer

Inszenierung, Mitarbeiter-Events, Tipps und Checklisten | 05. Oktober 2015 | Der WILKENWERKer

Denkanstöße für eine gelungene Ehrungsdramaturgie für Mitarbeiterevents.

„And the Oscar goes to…“ – die jährliche Vergabe der heiß begehrten Academy Awards in Los Angeles ist wahrscheinlich die einzige dreieinhalbstündige Ehrungsveranstaltung (Pro Sieben macht daraus sogar einen sechsstündigen Fernsehmarathon), die mit rund 38 Millionen Zuschauern belohnt wird. Aber mal ehrlich: Glauben Sie, dass alle Anwesenden im Saal dieses Event als mehrstündiges Highlight erleben?

Auch viele Unternehmen setzen auf die Kraft der Auszeichnung in Form einer Mitarbeiterehrung, um ihre Angestellten zu Höchstleistungen anzuspornen: die Ehrung der besten Vertriebsmitarbeiter, der besten Innovationsprojekte, eine Auszeichnung für die langjährige Treue und Betriebszugehörigkeit. Und die Oscar-Verleihung ist noch immer ein beliebtes Vorbild – nur haben wir es dort mit einem schier unendlichen Aufgebot an Weltstars und Laudationen der größten Entertainer unserer Zeit zu tun. Was, objektiv betrachtet, die Show am Leben erhält und selbst mit diesen Zutaten den Glanz vergangener Tage eingebüßt hat. Ist solch ein Format überhaupt noch zeitgemäß?

Dieser Frage ausführlich nachzugehen, würde den Rahmen sprengen. Doch auch wir sehen uns regelmäßig mit der Frage konfrontiert, wie wir eine Mitarbeiterehrung für die Gewinner, aber auch für alle anderen Anwesenden im Saal zu einem emotionalen und vor allem nachhaltig wirkungsvollen Erlebnis werden lassen können.

Unser Anspruch: Wenn die Preisträger im Nachgang noch lange eine Wertschätzung verspüren, die positiven Einfluss auf ihre Motivation und die Bindung zum Unternehmen ausübt, dann haben wir einen guten Job gemacht. Wenn alle anderen Anwesenden ebenfalls lange von dem Event erzählen und sich nach solch einem „großen Moment“ sehnen, dann war unsere Arbeit ausgezeichnet.

Diese Tatsache stellt uns vor eine konzeptionelle bzw. vor allem dramaturgische Herausforderung: Was sind entscheidende Stellschrauben, mit denen man „klassische“ Mitarbeiterehrungen beleben, verbessern, verändern kann?

Wie befreit man sich aus dem gerne genommenen Galadinner-Konstrukt?

Hochwertiges Galadinner mit Entertainment-Acts + charmante Moderation + langatmige Preisverleihung + Ehrungsfoto

Das Gute bei einem Ehrungsevent: Die Helden stehen fest – die Zielsetzung ebenfalls. Doch welche Geschichte wir erzählen, das liegt an uns.

Entscheidend ist die Dramaturgie des Events. Wie lösen wir uns aus dem Gewohnten zugunsten des Unerwarteten? Wann erzeugen wir Überraschungsmomente, Interaktionen, Höhepunkte, aber auch Brüche? Wie fesseln wir alle Anwesenden von der ersten bis zur letzten Minute? Wie verhelfen wir unseren „Helden“ zu ihrem großen Auftritt?

Jede Ehrungsveranstaltung ist anders und verdient eine individuelle Betrachtung. Deshalb können wir Ihnen kein Allheilmittel für eine gelungene Dramaturgie anbieten, aber wir können Ihnen entscheidende Drehschrauben nennen, anhand derer sich Ehrungskonzepte auf den Prüfstand stellen lassen.

9 Denkanstöße für eine gelungene Ehrungsdramaturgie

  1. Nicht der Anlass, sondern die Zielgruppe bestimmt die Tonalität des Events.
    Braucht es die klassische Gala-Atmosphäre oder fühlt sich die Zielgruppe in einem ganz anderen Rahmen viel wohler?
  2. Gehen Sie nicht davon aus, dass es alle Anwesenden interessiert! Denken Sie an die „Nicht-Geehrten“.
    Erzählen Sie eine spannende Geschichte mit einem Unterhaltungs- bzw. Informationswert. Je besser sich die restlichen Teilnehmer abgeholt fühlen, umso würdiger ist die Atmosphäre für die Gewinner.
  3. Denken Sie Ihre Geschichte mehrdimensional und multimedial.
    Die Kraft der Live-Kommunikation steckt in der Schaffung von Erlebnisräumen. Ihre Geschichte sollte sich in der Raumgestaltung, dem Ablauf und der Medienwahl wiederfinden. Welche Elemente benötigen Sie, um Ihre Geschichte so lebendig wie möglich zu erzählen?
  4. Schaffen Sie Überraschungsmomente und mutige Kontraste.
    Warum verleihen Sie nicht z.B. einen „Überraschungspreis“ am Abend? Kreieren Sie einen Gewinner, mit dem niemand rechnet. Oder wer sagt, dass es eine klassische Publikums-Bühnen-Situation geben muss?
  5. Berühren Sie Ihre Mitarbeiter.
    Wertschätzung hat viele Formen –  sie ist nicht zwingend medaillenrund. Überlegen Sie, welche Form von Wertschätzung die richtige ist. Entscheidet sich dies anhand der Person, die den Preis verleiht? Anhand des Publikums? Des Ortes der Verkündung oder auch der Beschaffenheit des Preises (z.B. durch einen geschenkten Urlaubstag)?
  6. Kreieren Sie emotionale WIR-Momente.
    Lassen Sie das Gemeinschaftserlebnis nicht erst bei der After-Show beginnen. Der Erfolg des Einzelnen ist ein Erfolg für das gesamte Unternehmen.
  7. Helfen Sie Ihren Helden!
    Üben Sie Abläufe, machen Sie – wenn möglich – Stellproben bzw. verdeutlichen Sie durch das Bühnendesign den richtigen Platz für die Geehrten. Nichts ist schlimmer als verirrte Gewinner oder endlose Positionierungshinweise durch die Moderation. Aber auch das Lichtdesign und die richtigen Fragen bei einem Bühnentalk haben entscheidenden Einfluss darauf, wie sich die Preisträger präsentieren können.
  8. Der Teufel steckt im Detail.
    Denken Sie an die Übergänge – davon gibt es bei Ehrungen genug. Unstimmige Anschlüsse, langatmige Bühnenauf- und abgänge und „tote“ Momente können ganze Spannungsbögen ruinieren.
  9. Kreieren Sie einen bleibenden Erinnerungsmoment.
    So simpel und doch so unterschätzt: das berühmte Ehrungsfoto. Erlauben Sie sich doch mal den Spaß und googeln Sie die Wörter „Mitarbeiter“ und „Ehrungen“. Und? Ist unter den Bildergebnissen ein Objekt der Begierde? Verspüren Sie ein Gefühl von „Da möchte ich hin“? Die Konzeption eines würdigen Ehrungsfotos setzt sich aus den entscheidenden Faktoren Licht, Set-Design und Platzierung zusammen.

Download Checkliste Mitarbeiterehrung

Wir würden uns freuen, wenn unsere Denkanstöße neue Ideen für Ihre Mitarbeiterevents zutage fördern oder zumindest Mut machen, das eine oder andere Muster aufzubrechen. Wie sagt Werbelegende Paul Arden so schön:

„Machen Sie nicht zu lange das Gleiche.”

Paul Arden, Egal, was du denkst, denk das Gegenteil, 2006, S.102.

Ein Ratschlag, den sich auch das Oscar-Komitee zu Herzen nehmen sollte.