Willkommen in der Event-Welt: Introducing Mahamed

Agentur | 30. Mai 2016 | Der WILKENWERKer

Ein Gespräch mit unserem Agentur-Patenkind und seiner „Großen Schwester“.

Anfang 2016 übernahm WILKENWERK eine Agentur-Patenschaft für Mahamed aus Somalia (der WILKENWERKER berichtete). Mahamed ist Flüchtling und macht bei uns ein Praktikum mit dem Ziel, den Alltag in Deutschland besser kennenzulernen und erste Arbeitserfahrungen im Bereich Event zu sammeln.

Seit fast einem halben Jahr ist Mahamed nun bei uns – wir finden, dass es an der Zeit ist, unser neues Teammitglied einmal näher vorzustellen. Wir haben uns mit Mahamed und seiner Agentur-Vertrauensperson Kim Detlefsen getroffen und auf die erste gemeinsame Etappe zurückgeblickt.

Hallo, Mahamed – schön, dass du Zeit für ein kleines Interview hast. Wie geht es dir und wie fühlst du dich nach fünf Monaten bei WILKENWERK?

Mir geht es gut! Am Anfang habe ich mich in der fremden Umgebung ein wenig unsicher gefühlt, aber inzwischen habe ich mich bestens eingelebt. Ich komme gern zu WILKENWERK. I feel at home. Das liegt vor allem an den Menschen hier, die mir mit viel Offenheit und Wärme begegnen. Es ist eine tolle Erfahrung.

Magst du vielleicht etwas von dir erzählen? Wofür interessierst du dich, wie sieht dein Alltag abseits der Agentur aus?

Ich heiße Mahamed, bin 17 Jahre alt und komme aus Somalia. Ich bin seit fast einem Jahr in Deutschland und lebe hier in einem Flüchtlingsheim. Dort geht es mir gut – ich teile mir ein Zimmer mit einem anderen Jungen. Vorher war ich in einem anderen Heim – da haben wir zu neunt in einem Zimmer gelebt. Ich war froh, als ich in das neue Heim umziehen durfte.
Ich gehe jeden Vormittag in die Schule; nachmittags gehe ich einmal die Woche zu WILKENWERK und dreimal die Woche habe ich Fußballtraining. Ich liebe Fußball und würde sogar gerne noch öfter spielen! Außerdem interessiere ich mich für Mode und höre gerne Musik, besonders Rap oder Reggae. Ich bin ein großer Fan von 2Pac, Michael Jackson und Bob Marley. Aber ich mag auch die Musik von K’naan. Er stammt aus Somalia und lebt in Kanada. Hier kennt man vielleicht sein Lied „Wavin‘ Flag“ – es war die Hymne zur Fußball-WM 2010 in Südafrika. Sowohl Fußball als auch Musik waren am Anfang hier in Deutschland sehr wichtig für mich und sind es auch noch heute. Beides sind internationale Sprachen, die jeder versteht und die Menschen zusammenbringen.

Kim, du bist ja bei WILKENWERK die Hauptansprechpartnerin für Mahamed. Wie kam es dazu?

Als das Projekt Patenschaft bei uns Thema wurde, hat sich das gesamte Team zusammengesetzt. Für uns war von Anfang an klar, dass sich zwar alle in das Projekt einbringen müssen, Mahamed aber einen Hauptansprechpartner benötigt, damit er Vertrauen fassen kann und immer jemanden hat, an den er sich wenden kann. Ich habe mich dazu entschlossen, da meine Eltern ebenfalls eine Vormundschaft für zwei Flüchtlinge übernommen haben und ich das Thema sehr spannend und wichtig fand.

Was genau lernt Mahamed in seinem Praktikum? Kannst du das einmal kurz zusammenfassen?

Zunächst haben wir Mahamed etwas über die Arbeit in einer Agentur für Eventmarketing erzählt und sie anhand von alten und neuen Projekten begreifbar gemacht. Danach hat er zwei unserer aktuellen Veranstaltungen besucht, um das Ganze dann auch einmal live zu sehen und eine Vorstellung von der Dimension Event zu bekommen. Momentan zeigen wir ihm, wie man mit den verschiedenen Programmen arbeitet, die besonders wichtig für unseren Job sind – zum Beispiel PowerPoint, Excel oder Photoshop. Er erhält eine grundsätzliche Einweisung in die Programme und muss dann selbstständig Aufgaben bearbeiten. Unser Ziel ist es natürlich, Mahamed irgendwann kleinere Teilbereiche oder eigenständige Aufgaben für ein Event übergeben zu können.
Da wir immer gut zu tun haben, ist es wichtig, dass wir uns trotzdem jedes Mal die Zeit nehmen, eine gute Aufgabe für Mahamed zu finden und ihm diese auch entsprechend zu vermitteln. Eine Aufgabe, bei der er wirklich etwas lernt.

Und woran arbeitest du momentan, Mahamed?

Zurzeit bin ich im Kreativwerk und helfe bei der Präsentationserstellung. Vor allem mache ich Bildrecherche und freue mich, wenn ich gutes Fotomaterial für das nächste Event bzw. das Konzept dazu finde.

Du hast ja nun schon alle möglichen Bereiche kennengelernt. Gibt es eine Tätigkeit, die dir besonders gefällt oder etwas, das dir nicht so viel Spaß macht?

Das kann ich gar nicht sagen. Ich finde bisher alles spannend und bin erst einmal daran interessiert, so viel wie möglich zu lernen. Ich denke, wenn ich noch mehr Zeit bei WILKENWERK verbracht habe, gibt es vielleicht irgendwann eine Richtung, die mir besonders gefällt. Momentan bin ich einfach glücklich, Teil einer Eventmarketing-Agentur zu sein und mich hier gut einbringen zu können.

Was hast du gedacht, als dir die Patenschaft angeboten wurde? Wusstest du schon vor deinem Praktikum etwas über Live-Kommunikation oder den Arbeitsalltag in einer Agentur?

Nein, von Events hatte ich vorher nicht viel gehört und unter der Arbeit in einer Eventmarketing-Agentur konnte ich mir nichts vorstellen. Aber ich war neugierig, mehr darüber zu erfahren! Das Angebot kam überraschend, doch mir war sofort klar, dass ich das machen wollte. Ich freue mich, hier so viel lernen zu können.

Es ist bestimmt nicht leicht, in einem fremden Land eine ganz neue Tätigkeit anzufangen. Gibt es denn am Anfang Dinge, mit denen du zu kämpfen hattest oder immer noch hast? Zum Beispiel die Sprachbarriere?

Man hat keine Vorstellung davon, wie schwer es ist, in ein fremdes Land zu kommen, dessen Kultur man nicht kennt und dessen Sprache man nicht spricht. Die einfachsten Dinge muss man erst lernen – Kleinigkeiten, die für euch ganz normal sind. Zum Beispiel, dass man an roten Ampeln stehen bleibt… Man muss viel beobachten und gut aufpassen, damit man schnell lernt, im neuen Alltag zurechtzukommen. Es ist auch nicht so leicht, jemanden zu fragen oder um Hilfe zu bitten, wenn man die Sprache nicht spricht. Ich bin sehr froh, dass ich mich inzwischen auf Deutsch verständigen kann. Dadurch geht auch die Unsicherheit zurück.
Hier bei WILKENWERK sprechen zum Glück alle Englisch und so kann man auch mal die Sprache wechseln, wenn es schwierig wird – zum Beispiel, wenn die Kollegen mir ein Computerprogramm erklären. Und als ich in der Agentur anfing, war ich ja auch nicht mehr ganz neu in Deutschland. Da hatte ich mich zum Beispiel schon an die deutsche Pünktlichkeit gewöhnt. In Afrika sieht man das ein bisschen lockerer. Aber in Deutschland kommt es nicht gut an, wenn man zu spät zur Arbeit erscheint. Daher stehe ich manchmal eher ein bisschen zu früh in der Tür!

Und wie hast du die Anfangszeit empfunden, Kim?

Wir konnten uns zuerst nur auf Englisch verständigen, aber das war definitiv ausreichend. Und Mahameds Deutsch wird von Woche zu Woche besser. Unser Wunsch wäre es natürlich, ihm dann auch irgendwann Aufgaben zu übertragen, die er komplett auf Deutsch umsetzen kann. Zwar ist man im Bereich Event sehr international unterwegs, aber vieles geht trotzdem nicht ohne solide Deutschkenntnisse.
Grundsätzlich war es erst mal schwierig, überhaupt passende Aufgaben für Mahamed zu finden, da für das Team und mich alles so selbstverständlich ist, was wir tun. Mahamed wusste nicht, wie man googelt – geschweige denn, was ein Mailprogramm ist oder wie man eine E-Mail verschickt. Alles Dinge, die für uns oder für junge Menschen, die aus der Schule kommen und ein Praktikum in einem Unternehmen anfangen, ganz normal sind. An diese Dinge mussten wir Mahamed erst einmal heranführen.

Hat dich der Austausch mit Mahamed bereichert, hast du etwas von ihm gelernt oder erfahren?

Es ist immer eine Bereicherung, Menschen aus anderen Ländern und Kulturen kennenzulernen. Mich beeindruckt es wirklich sehr, was Mahamed bereits in seinem Alter alles erlebt hat hat und dass er trotzdem so voller Lebensfreude und Neugierde ist. Und er ist sehr bemüht, die deutsche Sprache so schnell wie möglich zu erlernen. Seinen Ehrgeiz finde ich toll! Er ist außerdem extrem engagiert: Wenn er mal schulfrei hat, fragt er, ob er an diesen Tagen auch in die Agentur kommen kann, um uns zu unterstützen oder um neue Dinge zu lernen.

Hat sich die Arbeit bei WILKENWERK auf deinen Berufswunsch oder deine Zukunftsvorstellungen ausgewirkt, Mahamed?

Früher wollte ich gerne Elektroingenieur werden. Aber das hat sich geändert, seitdem ich in Deutschland bin. Inzwischen würde ich gerne im Marketing- oder PR-Bereich arbeiten. Mir geht es weniger darum, Produkte zu verkaufen, als darum, Menschen zusammenzubringen und die Kommunikation zwischen ihnen zu verbessern. Ich habe selbst erfahren, wie schwer es ist, in einem fremden Land ohne Vorkenntnisse völlig neu anzufangen. Jetzt würde ich gern dabei helfen, das Verständnis beider Seiten füreinander zu fördern. Es ist wichtig, dass die Menschen ein klareres Bild von anderen Ländern bekommen – das würde ich gern vermitteln. Ich denke, dass vieles, was ich hier in der Agentur mache, mir dabei helfen kann. Durch das Praktikum lerne ich erst einmal Abläufe und Strukturen kennen und wie man ein Event plant und umsetzt. Wenn ich erst einmal eine Basis habe, kann ich hier irgendwann hoffentlich auch noch mehr über Marketing lernen.

Was wünschst du dir ansonsten für die Zukunft bei WILKENWERK?

Für mich selbst wünsche ich mir, dass ich noch lange bei WILKENWERK bleiben und hier weiterhin viel lernen und mitnehmen kann. Für die Agentur wünsche ich mir viele tolle Projekte, gelungene Events und spannende Kunden! Und den Kolleginnen und Kollegen wünsche ich von Herzen nur das Beste und viel Spaß bei der Arbeit – und dass sie immer so herzlich und engagiert bleiben.

Vielen Dank euch beiden für die Offenheit!