„Das Schönste ist, wenn der Schmerz nachlässt.“

Inspiration, Inszenierung, Storytelling, Veranstaltungskonzeption | 27. November 2019 | wilkenwerk

Im Rahmen der Blog-Reihe „Back to the Rookie’s“, lassen wir unseren neuesten WILKENWERKER über seine frischen Erfahrungen und Einblicke in die Welt der Live-Kommunikation berichten. Heute betrachtet Ric einen oft missverstanden und gern vermiedenen Aspekt des guten Storytellings.

 

(…)
Himmelhoch jauchzend,
zum Tode betrübt –
glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
Johann Wolfgang von Goethe – „Klärchens Lied“

Don`t fuck with Goethe

Nun bildet dieser Blog sicherlich nicht den richtigen Rahmen für eine ausführliche Gedichtinterpretation, die ist an dieser Stelle aber auch gar nicht notwendig. Denn, eines von des Altmeisters beliebtesten Motiven, war ja schon immer der Kontrast zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, hoch oben und tief unten. Wie man das Ganze auf moderne Live-Kommunikation überträgt? Nun, bei allem Streben nach ständiger Perfektion, den immer besten Ergebnissen und den größtmöglichen Highlights wird in vielen Inszenierungen ein Aspekt häufig hintenan gestellt – die Authentizität.

So wie es im Leben keinen dauerhaften Höchstzustand geben kann, darf auch keine gute Geschichte versuchen ihn vorzutäuschen. Wenn sie nicht über alle Maßen langweilig sein soll, dann braucht jede Form der Kommunikation ihre Tiefen. Das gilt vom Messestand, über die Marketing-Kampagne bis hin zum Incentive.

Incentives? Ja, gerade die! Wenn Sie schon mal ganze Staffeln einer x-beliebigen Streaming Serie durchgebinged haben, werden Sie verstehen, dass Spaß ohne Ende eben irgendwann keinen mehr macht. Derartige Reizüberflutung führt – ganz im Gegenteil – sogar häufig zu Ermattung, Überdrüssigkeit und manchmal bis zur sprichwörtlichen Gereiztheit.

It’s physical

Was man dagegen machen kann? – Erstmal gar nichts. Sofern man die Zielgruppe oder Teilnehmer nicht dauerhaft unter Drogen setzen möchte – die natürlich auch ihre Nebenwirkungen hätten – muss man die körperliche Beschaffenheit des Menschen wohl akzeptieren. Wie viele beliebte Produkte, leben unsere Glückshormone nämlich auch von Verknappung, in diesem Fall von natürlicher.

Um ein gelungenes Erlebnis zu schaffen, braucht es also ein durchdachtes Ressourcenmanagement. Bevor Sie sich jetzt aber, weil Sie die letzten zwanzig Jahre nicht verschlafen haben, an den Kopf fassen;
es wird sich im Folgenden nicht um die immens wichtige Bedeutung von Pausen drehen.

Gehen wir stattdessen einen Schritt weiter und schauen uns kurz echte Höhen und Tiefen an.

Haben Sie sich bereits einmal gefragt weshalb das Wandern und Bergsteigen nicht ausstirbt, sondern immer noch mehr begeisterte Anhänger findet? Längst wäre es doch möglich, fast jeden Berggipfel bequem per Seilbahn zu erreichen. Aber was hier nicht funktioniert, kann auch auf jedes andere Erlebnis übertragen werden – ohne Anstrengung verliert jede Erfahrung an Bedeutung!

No Pain, no gain.

Ohne Fleiß, kein Preis. Was klingt, als hätten es preußische Drill-Offiziere tief in unsere Kultur eingeprügelt, ist tatsächlich ein ganz menschliches Phänomen. Wenn wir das Gefühl haben positive Erlebnisse und Erfahrungen auch verdient zu haben, steigt unsere Wertschätzung für sie enorm. Auch wenn jedes Los gewinnt, muss das Rad gedreht werden.

Für dieses Prinzip gibt es zwar mindestens so viele Anwendungsbereiche wie Metaphern, ein paar kleinere Anregungen möchten wir an dieser Stelle aber mitgeben.

Wenn es nötig ist, eine Herausforderung zu schaffen, die überwunden werden muss, dann sollte diese auch echt sein. Egal wie anstrengend es sein mag, wenn die Möglichkeit zu verlieren nicht besteht, dann kann auch nichts gewonnen werden.

Wenn man die Zielgruppe oder Teilnehmer ernst nimmt, dann darf man ihnen auch manche Dinge zumuten. Warum also, anstatt des bequemen Shuttle-Service, nicht mal ein längerer Spaziergang zur Dinner-Location? Schließlich schmeckt kein Bier so gut, wie das Feierabendbier.

Natürlich bedarf es einigen Mutes, nicht bloß nach der komfortabelsten Lösung zu suchen, es zahlt sich aber aus. Und jetzt, um im Stile von Good Old Jo’s geliebter Rahmenhandlung abzuschließen, lassen wir ihn doch noch einmal zu Wort kommen:

Wo viel Licht ist,
ist starker Schatten.
Johann Wolfgang von Goethe