Von Ariadne bis “Ach, nee!” – Kreativität in Zeiten der Reizüberflutung?

Agentur, Eventplanung, Inspiration, Inszenierung, Kommunikation im Raum, Storytelling, Veranstaltungskonzeption | 27. November 2019 | wilkenwerk

Im Rahmen der Blog-Reihe „Back to the Rookie’s“, lassen wir unseren neuesten WILKENWERKER über seine frischen Erfahrungen und Einblicke in die Welt der Live-Kommunikation berichten. Dieses Mal widmet sich Ric den Auswirkungen des Trends Digital-Detox.

Medienmüdigkeit, Digital Detox & Co.

Über zehn Jahre nachdem das erste Smartphone seinen Weg in begeisterte Hände gefunden hat, stellt das Internet wohl für niemanden mehr Neuland dar. Doch wozu kann es führen, wenn man die ganze Welt in der Hosentasche trägt?

Ständige Erreichbarkeit, überquellende Mail-Postfächer und der obligatorische Social Media-Account haben satt gemacht. So satt, dass „mehr“ manchmal nicht mehr geht.

Es ist also kein Wunder, dass sich seit einigen Jahren eine Trendwende erkennen lässt. Und was einmal damit anfing, dass übereifrige Broker durch Smartphone-Verzicht auslosten, wer bei Tisch die Rechnung zu begleichen hatte, ist längst zum globalen Phänomen geworden.

Digital Detox, also der absichtliche Verzicht aufs Smartphone und all seine Möglichkeiten, reiht sich nahtlos in andere Bereiche des New Work – wie Sabbatical, Homeoffice oder Jobsharing – ein und stellt damit auch die Kreativbranche vor neue Herausforderungen.

Wach bleiben…

Die Problematik Reizüberflutung attackiert dabei gleich auf zwei Ebenen. Pinterest, Instagram, Stockfoto-Wahnsinn, Newsletter, Branchen-Blogs, Online- und Printmagazine…
– Inspiration und Recherche ganz hochgehalten, aber wie hält man sich den Kopf frei von durchgekautem Einheitsbrei?

Etwas lernen kann man hier von da, wo es wohl keiner erwartet hätte; von pubertierenden Videogame-Zockern, den echten Digital Natives. Hier steht die gefrustete Beleidigung „Get a life!“, nämlich mindestens schon seit Anbeginn des Internets hoch im Kurs. Ob nun direkt wörtlich, oder frei mit „Hast du nichts Besseres zu tun?“ übersetzt – Sie haben recht!

So hilfreich all die digitalen Medien auch sein mögen, führt doch noch immer kein Weg daran vorbei, sich vom Stuhl zu erheben und vor die Tür zu treten. Im Gegenteil, echte Erfahrungen  – in Form von Erlebnissen und Erfahrungen zum Anfassen – werden sogar immer wichtiger. Denn auch wenn die inklusive Wirkung des Internet ohne Frage eine Bereicherung darstellt, kann online eben Jede/r partizipieren.

Wer alles und sich bloß online teilt, teilt irgendwann auch Anschauungen, Meinungen und am Ende gar Ideen. Wie einen kreativen USP entwickeln, ohne über den Tellerrand zu schauen? Instagrams 9:16 regt nicht zum querdenken an und wer nur durch blaue Timelines scrollt, kann vielleicht auch einen roten Faden spinnen – gutes Storytelling geht aber anders!

… und Niemanden müde machen

Längst hat die digitale Revolution jeden Wirtschaftszweig und jede Position erreicht. Wenn dann irgendwann selbst die beste App den Kunden nicht mehr vom Hocker haut, sondern eher stirnvoran auf die Tischplatte sinken lässt, dann müssen Alternativen her.

Eine Idee oder ein ganzes Konzept auf moderne Art im greifbaren Raum zu präsentieren, schreit für den ein oder anderen zwar förmlich nach VR, geht aber auch anders und passt manchmal eben besser.

Mit physischen Modellen beispielsweise, die gibt es zwar schon seit Anbeginn der Menschheit, aber sind trotzdem noch lange nicht veraltet. Hier kann moderne Technologie, wie der 3D-Drucker, hochwertige, individualisierte und preiswerte Visualisierungen zum Anfassen und Mitnehmen erzeugen, die nachwirkenden Eindruck hinterlassen.

Und direkt beim Event? Warum, anstatt das Catering per App-Bestellung zu individualisieren, nicht mal eine dekonstruierte Food-Station, die das gleiche leistet, aber viel mehr Interaktion bietet? Besonders die Zielgruppe der kommenden Generation Z wird wohl durch kaum ein Digitales Schmankerl noch hinter der Firewall hervorzulocken sein. „Die“ haben nämlich wirklich schon alles gesehen und besitzen zwar eine extrem hohe Affinität zur digitalen Ansprache, haben dafür aber oft umso weniger erlebt.

Das Beste aus beiden Welten

Der Segen der digitalen Revolution befindet sich jetzt in einer Phase, wo geprüft werden darf und muss, ob seine Mittel von Vor- oder Nachteil sind. Die mit diesem Fortschritt verbundene neue Freiheit für Gedanken, Ideen und Konzepte gilt es also durch gute Live-Kommunikation erlebbar zu machen.

Ein vergleichsweise frischer Lösungsansatz zur Verknüpfung von Analog und Digital, sind die sogenannten Smart-Gadgets, die digitale Funktionalität mit physischer Präsenz und Haptik kombinieren. Beispielsweise können ansteuerbare LED-Armbänder die meisten Funktionen einer App auch über einfache Licht- oder Vibrationssignale erfüllen und zwingen ihren Nutzer somit nicht dazu, wieder bloß auf einen Bildschirm zu starren.

Besonders der Bereich des Experiental-Marketing, der schließlich darauf angewiesen ist Kommunikation als Erlebnis und nicht bloßen Konsum zu inszenieren, wird zukünftig verstärkt vor der Herausforderung stehen, neue Wege der zielgenauen Ansprache finden zu müssen. Welche genau das sein werden, bleibt zwar abzuwarten, aber…

– Wir werden dabei sein!